Dokumentation

Sie finden hier die Zusammenfassungen der Vorträge und Workshops sowie die Präsentationen der Referentinnen und Referenten des ersten Fachtags des Projekts GEWINN zum Thema  "Agilität in der Softwareentwicklung" am 21.11.2017 in Berlin. In den Downloads finden Sie darüber hinaus die vollständige, digitale Tagungsmappe sowie die Dokumentation als druckbares PDF-Dokument.

Die Zusammenfassungen wurde anhand von Audioaufnahmen und Notizen als Dokumentation der Vorträge und Workshops des Fachtags durch Projektmitarbeiter/innen erstellt. Sie sollen einen  Überblick über die Vielfältigkeit der Themen zur Agilität in der Softwareentwicklung im Spannungsfeld der Gender Studies und der Informatik geben und den Diskurs widerspiegeln.

Einführung

Prof. Dr. Nicola Marsden

Vortrag 9:30 – 10:00 Uhr | Plenum

„Was haben Sie gestern gemacht? Was haben Sie heute vor zu tun und was sind die Hindernisse, die wir aus dem Weg räumen können?“ Mit diesen Fragen ans Publikum, die typisch für agile Methoden sind, eröffnete Nicola Marsden ihren Einführungsvortrag und pointierte damit das Thema des ersten GEWINN-Fachtags. Der Fokus des Fachtags bestand darin, sich dem Thema Agilität aus einer Genderperspektive zu nähern. Kernziel des Diskurses ist, den Transfer aus den Gender Studies in die Informatik und wieder zurück zu schaffen sowohl in die Forschung als auch in die Praxis. Firmen haben Themen, die sie bearbeiten möchten: Wie schaffen sie es, Software, Methoden und Fachkulturen gendergerecht zu gestalten?

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Agile Softwareentwicklung aus den Perspektiven der Geschlechterforschung

Prof. Dr.-Ing. Corinna Bath

Vortrag 10:00 – 10:45 Uhr | Plenum

In ihrem Vortrag legte Corinna Bath zu Beginn dar, dass sie Geschlechterforschung in den Technikwissenschaften vor allem als Reflexionswissenschaft betrachtet. Sie untersuche die Annahmen, mit denen ihre Kolleg/innen z. B. im Maschinenbau arbeiten. Was stecken für Annahmen in wissenschaftlichen Versuchsaufbauten, was wird in Fragen und Thesen vorausgesetzt? Weiterhin schwingt dabei die Frage der Ungleichheit immer mit. Wie wirkt sich Differenz in der Technikentwicklung aus, wie werden daraus Hierarchie und Ungleichheit? Und umgekehrt: Wie wird durch Technik gesellschaftliche und soziale Ungleichheit produziert?

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Fotoimpressionen

Mit dem digitalen Wandel die Attraktivität von IT erhöhen

Jutta Eckstein

Workshop 11.00 – 11.45 Uhr

Mit folgenden Impulsen eröffnete Jutta Eckstein ihren Workshop: Nach einer Statistik (Women in Computer Science, US-Colleges) nimmt die Zahl der Frauen in der Informatik seit den 80er Jahren kontinuierlich ab. Vor den 80er Jahren waren sie in der Sachbearbeitung die vorrangigen PC-Nutzer/innen. Danach wurden Computer nicht mehr für Frauen vermarktet: PCs fanden sich für Jungen unterm Weihnachtsbaum und wurden vorrangig zum Spielen benutzt. Computer erhielten zunehmend einen „nerdigen Charakter“, Mädchen haben derweil den souveränen Umgang mit PCs verloren. Zugleich entwickelten sich Stereotype wie Einzelkämpfertum, „Geeks in Kellern“ sowie die Annahme, dass ein hohes Mathematikniveau Voraussetzung für Computerwissenschaften ist. Aus diesen Gründen wird die Informatik als Studienfach von Frauen gar nicht mehr in Betracht gezogen.

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Umbruch in der Chefetage - Vom Heldentum zur agilen Führung

Wolfgang Zimmermann

Workshop 11.00 – 11.45 Uhr

Zu Beginn seines Workshops stellte Wolfgang Zimmermann Ergebnisse einer Erhebung unter 50 Führungskräften (männlich/weiblich) mit konstruktivistischem Zugang vor, woraus er fünf Thesen zur Ausgangslage darlegte:

  • Beim zentralen Engpass in der leitungsfähigen Führung von Organisationen ist die Frage, wie Männer zukünftig ihre Rolle wahrnehmen.
  • „Das Zeitalter der Helden ist vorbei.“ Dies wird zwar in der einschlägigen Literatur oft gesagt, in der Praxis sind jedoch vielfältige andere Beobachtungen möglich, denn dieses implizite Rollenbild ist in den Männern noch tief verankert.
  • Die Männerthematik wird in vielen Publikationen von Seiten der Frauen beleuchtet, findet jedoch in der einschlägigen Führungsliteratur nirgends einen Niederschlag. Hier behilft man sich mit Verallgemeinerungen und spricht weitgehend eine geschlechtsneutrale Sprache ("die gute Führung"), geschweige denn, dass die Thematik aktiv reflektiert wird.
  • Männer sind anders – Frauen auch, Unterschiedlichkeit sollte genutzt werden.
  • Es geht gemeinsam um die Zukunft von Arbeit und Leben jenseits eines Kampfes.

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Identifikation von Genderaspekten in agilen Vorgehensweisen/ Praktiken

Prof. Dr. Martine Herpers

Workshop 12.00 - 12.45 Uhr

Zunächst erinnerte Martine Herpers an fünf Praktiken der agilen Methoden und benannte im Folgenden genderrelevante Dimensionen. Sie kündigte an, dass sie im weiteren Verlauf des Workshops eine Umfrage unter den Teilnehmer/innen durchführen wollte. Als agile Praktiken benannte sie folgende:

  • Die Kund/innen vor Ort und User Stories (Anforderungsspezifikationen)
  • Die tägliche Arbeit / Dailies / Task Board
  • Burn Down Chart
  • Pair Progamming
  • Test First

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Agiles Projektmanagement in Praxisprojekten mit Studentinnen

Prof. Dr. Juliane Siegeris

Workshop 12.00 - 12.45 Uhr

Juliane Siegeris eröffnete Ihren Workshop mit der Frage, mit der Jutta Eckstein endete: „Was wäre anders, wenn der IT-Sektor bereits gleichberechtigt wäre? Wie kommen wir dahin?“ Dazu ist ihr Ansatz, einen Studiengang Informatik und Wirtschaft nur für Frauen anzubieten, wobei 80 % Informatik und 20 % Wirtschaft gelehrt wird. Das Studium läuft in Regelstudienzeit sechs Semester, wovon drei theoretische und drei praktische Semester sind. Gegenstand des Studiums sind Grundlagen der Informatik, Praktische Handlungsfähigkeiten, Projekte I in der Wirtschaft, Praktikum, Projekte II in der Wirtschaft und eine abschließende Bachelorarbeit.

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Modellprojekt Reallabor - Wie Unternehmen praktisch von Geschlechterforschung profitieren

Michael Ahmadi & Anne Weibert 

Workshop 13:45 - 14:30 Uhr

Michael Ahmadi und Anne Weibert stellten in diesem Workshop die verwendete Methodik der Reallabore vor. Reallabore stellen eine wissenschaftliche Untersuchung von Unternehmen im Praxisbetrieb, also unter realen Bedingungen, dar. Hierbei sollen die Arbeitsschritte der Beforschten näher untersucht und zusammen mit dem Unternehmen analysiert werden. Dazu skizzierten sie anhand eines methodologischen Kreises die zyklischen vier Abschnitte des Vorgehensmodells:

  • Betrachten: Teilnehmende Beobachtungen, Expert/inneninterviews, etc.
  • Reflektieren: Evaluation, Qualitative Analyse, Fokusgruppen
  • Planen: Explikation, Interventionsdesign
  • Handeln: Intervention

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Sketchnotes

Frauen außerhalb ihrer Komfortzone - Lessons Learned aus der Praxis agiler Softwareentwicklungsprozesse

Edna Kropp

Workshop 13.45 - 14.30 Uhr

Zu Beginn des Workshops stellte Edna Kropp die Frage, wie es in der agilen Softwareentwicklung gelingt, Aufmerksamkeit, Anerkennung und Einfluss zu erreichen, um selbstbestimmt arbeiten zu können und interessante Aufgaben zu erhalten. Als Ausgangsthese diente ihr Reinhard K. Sprengers „Mythos Motivation“, wonach Menschen Leistung erbringen wollen und es sich dabei um ein Zusammenspiel handelt aus:

  • Leistungsbereitschaft (Wollen)
  • Leistungsfähigkeit (Können)
  • Leistungsmöglichkeit (Dürfen) 

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Wieviel Story Points bekommt Diversity?

Helena Barke

Workshop 14.45 - 15.30 Uhr

Im Mittelpunkt des Workshops stand die Frage, wie sich Diversity und Gender in SCRUM-Prozessen wiederfinden und welche Auswirkungen dies auf das Handeln der am Prozess beteiligten Teammitglieder hat. Helena Barke stellte im Rahmen des Workshops ihre bisherige Forschung zu dieser Frage vor. Dabei fokussiert sie sich auf qualitative Methoden wie Interviews und Arbeitsbeobachtungen und folgt damit dem Ansatz der Grounded Theory, um Softwareentwicklungsteams zu analysieren.

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"Wir machen Daily - und wann sind wir agil?"

Ruth Steinseifer

Workshop 14.45 - 15.30 Uhr

Zum Einstieg stellte Ruth Steinseifer die beiden Attribute „kompliziert“ und „komplex“ einander gegenüber. Kompliziertheit ist das Maß für Unwissenheit, Komplexität das Maß für Überraschungen. Komplizierte Dinge wie Computer und Kaffeemaschinen sind beherrschbar, während komplexe Dinge, zu der auch die Softwareentwicklung gehört, unvorhersehbar und damit nicht gut beherrschbar sind. Im Folgenden nannte sie weitere Attribute, die das gegensätzliche Begriffspaar kennzeichnen:

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Visuelle Kommunikation im Projekt - Geschlechtsspezifische Auswirkungen in SCRUM-Teams

Miriam Hamel

Workshop 14.45 - 15.30 Uhr

Mittels eines Grafiktablets visualisierte Miriam Hamel ihren Vortrag zur SCRUM-Methode. Die Methode wurde 1990 nutzbar gemacht. Vorteile von SCRUM sind, dass Projekte schneller durchlaufen werden, die Qualität der Projekte steigt und die Kosten sinken. Die Besonderheit der SCRUM-Methode ist das prozessuale Vorgehen und die Vision, die zu Beginn des Projekts formuliert wird.

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Zusammenfassung

Prof. Dr. Nicola Marsden

Moderation 15:40 – 16:30 Uhr | Plenum

In ihrer Zusammenfassung schloss Nicola Marsden vor den rund 60 Teilnehmer/innen des Fachtags den Kreis zu ihrem Eingangsstatement, aus denen sich die unterschiedlichen Perspektiven ergeben. Gemeint sind hier die Spannungsfelder zwischen Forschung und Praxis zum einen und zum anderen zwischen Struktur und Individuum. Heute war vor allem der Blick aus der persönlichen Perspektive gefragt. Sie bedankte sich dafür, dass tatsächlich viele Teilnehmer/innen Geschichten und Impressionen aus ihrem persönlichen Bereich mit einer großen Offenheit geteilt haben. Ihr Dank ging ebenfalls an die Workshop-Leiter/innen, die Sketchnote-Zeichnerin, die Fotografin, das GEWINN-Team und an alle, die sich engagiert eingebracht haben. Zum Schluss wies Nicola Marsden auf den kommenden Fachtag am 16. Mai 2018 in Heilbronn mit dem Thema „Organisationskulturen in der IT“ hin und lud alle Teilnehmer/innen herzlich dazu ein, wieder dabei zu sein.

Weitere Termine der Fachtage

Sechs Personen stehen in einer Reihe vor einer Plakatwand und werden verabschiedet

Nicola Marsden bedankt sich bei den Referent_innen

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